Zum Inhalt springen
Schauspieler Jan Bobke Foto: Andrea Scheffer, Photo-Room

Schauspieler Jan Bobke Foto: Andrea Scheffer, Photo-Room

Von der Gärtnerei auf die Kinoleinwand: Jan Bobke gibt sein Filmdebut in „Das gewisse Etwas“

Kinopremiere am 03. September

„Ich möchte mal in einem Kinofilm mitspielen.“ Dieses Ziel steht im Teilhabeplan von Jan Bobke. Nun ist es Wirklichkeit geworden: Der 46-jährige Hofgeismarer spielt im neuen Kinofilm „Das gewisse Etwas“ die Rolle des Luis. Für Jan Bobke ist das ein besonderer Erfolg und zugleich der nächste Schritt in seinem beruflichen Werdegang. Die Schauspielerei ist für ihn nicht einfach ein Hobby, sondern sein Beruf.

Von der Gärtnerei auf die große Leinwand

Wenn Jan Bobke nicht vor der Kamera steht, arbeitet er in der Gärtnerei der Hofgeismarer Werkstätten, einer Einrichtung der bdks im Schützenhofweg. Seit zehn Jahren gehört die Pflege verschiedener Pflanzen zu seinen Aufgaben. Besonders die Pflege der Außenanlagen und die Bewegung an der frischen Luft machen ihm viel Spaß. Auch bei der Auslieferung von Pflanzen an Kunden ist er dabei.

In seiner Freizeit spielt er Schlagzeug, macht Ausdauertraining, puzzelt und malt. Seine große Leidenschaft aber ist die Schauspielerei. Und dafür hat Jan Bobke einiges getan.

Schauspielerei ist mehr als ein Hobby

Seinen Einstieg in die Schauspielerei fand Jan Bobke im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Brachland-Ensembles und der Lebenshilfe. Danach folgten die integrativen Stücke „Idole“ und das Zweipersonenstück „Tiere der Nacht“, in dem Jan Bobke gemeinsam mit einer Tänzerin in Kassel auf der Bühne stand. Das 90-minütige Stück verband Sprache, Tanz und Schauspiel miteinander.

Anschließend setzte Jan Bobke seinen Berufsweg an der Schule für darstellende Kunst in Kassel fort. Zunächst ging er an drei Tagen pro Woche dorthin. 2017 bekam er schließlich einen Platz für eine einjährige Vollzeitausbildung. Bis 2018 absolvierte Jan Bobke eine Ausbildung zum Schauspieler. In dieser Zeit  erhielt er Unterricht in Schauspiel, Gesang, Tanz, Ballett und weiteren Fächern.

„Schauspielerei ist bei mir nicht nur Hobby, sondern mein Beruf“, macht Jan Bobke deutlich. Er hat sein Handwerk gelernt, intensiv geübt und sich über Jahre weiterentwickelt. Dass ihm das Schauspielen leichtfällt, liegt für ihn auch daran, dass er großen Spaß daran hat.

Seit 2019 gehört Jan Bobke zum Ensemble der „Irrlichter“, einer integrativen Theatergruppe in Kassel.

Vom ersten Casting zur Filmrolle

Der Weg auf die Kinoleinwand begann mit einer Anfrage an den Arbeitskreis Down-Syndrom für den Film „Ganzer halber Bruder“ mit Christoph Maria Herbst. Bei einem ersten Casting in Hofgeismar kam Jan Bobke in die engere Auswahl. Die Rolle ging aber schließlich an jemand anderen.

Kurze Zeit später folgte eine zweite Casting-Anfrage. Hierfür musste Jan Bobke einen Text lernen und spielte bei einem Treffen in Hofgeismar zunächst eine Szene. Anschließend ging es zum Casting nach München. Dort spielte Jan Bobke eine ihm bekannte Szene, musste aber auch improvisieren.

Beim nächsten Casting in München wurde es schließlich richtig professionell: Viele Schauspieler aus dem Film und auch Regisseur Marc Rothemund waren bereits vor Ort. Unter seiner Leitung wurden weitere Aufnahmen gemacht. Das Casting war anstrengend. Zwischendurch wurden Szenen sogar im Garten gespielt. Teilweise sogar mit einem ganz neuem Text, der von den Schauspielern in kurzer Zeit gelernt und eingeübt werden musste. Nach wenigen Tagen kam dann die tolle Nachricht: Jan Bobke hatte die Rolle!

Zehn Wochen Dreharbeiten und eine ganz neue Erfahrung

Mitte August 2025 begannen die Dreharbeiten für „Das gewisse Etwas“. Insgesamt dauerten sie zehn Wochen. Vor dem eigentlichen Dreh musste Jan Bobke aber nochmal zu Probeaufnahmen mit anderen Schauspielern nach Bonn und Köln fahren.

Für seine Rolle des Luis wurde sein Aussehen zunächst bewusst offen gehalten. Zu Beginn der Dreharbeiten bekam er die Ansage: Haare nicht schneiden, nicht rasieren. So trug er zunächst lange Haare und einen Vollbart. Später fiel die Entscheidung anders: Für die Rolle wurden die Haare ganz kurz geschnitten und der Bart kam ab.

Luis ist eine Figur, die ganz anders ist als Jan Bobke im wirklichen Leben. Luis ist lustig und haut auch viele Schimpfwörter heraus. Jan selbst sagt dazu: „Ich rede sonst nie so.“ Gerade diese Verwandlung macht für Jan Bobke einen guten Schauspieler aus: eine Figur überzeugend darstellen zu können, die nicht der eigenen Persönlichkeit entspricht.

Ein restaurierter Bus und eine gerockte Gerichtsszene

Etwa acht Wochen verbrachte Jan Bobke für die Dreharbeiten in der Nähe von Oberammergau, weitere zwei Wochen wurde in München gedreht. Die Arbeitstage waren minutiös geplant. Jeden Abend bekam Jan Bobke die sogenannte Dispo auf sein Handy. Das ist die detaillierte Tagesplanung für den nächsten Drehtag.

An den Drehtagen selber hieß es früh aufstehen: Um sechs Uhr begann der Tag, um sieben Uhr ging es zum Set. Wenn Jan Bobke keinen Drehtermin hatte, musste er auf Abruf im Hotel bleiben.

Die langen Drehtage, die Wartezeiten und die vielen Wiederholungen waren für ihn eine neue gaz Erfahrung. Trotzdem genoss er die Arbeit sehr. Besonders begeistert war er vom gesamten Team. Maskenbildner, Kostümbildner, Beleuchter und alle anderen Beteiligten begegneten ihm und allen anderen Schauspielern mit Behinderung auf Augenhöhe. Auch die professionellen Schauspieler seien ausgesprochen nett gewesen. „Das war eine große Herausforderung für mich“, sagt Jan Bobke über seine ersten Erfahrungen beim Film.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Dreharbeiten mit einem uralten, restaurierten Bus. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht!“ erzählt er. Und auch bei einer anderen Szene ging es richtig zur Sache: „Die Gerichtsszene haben wir richtig gerockt!“ berichtet er lachend.

Film schlägt Bühne, zumindest für Jan Bobke

Jan Bobke spielt nach wie vor gerne Theater. Doch das Kino hat es ihm besonders angetan. Die Dreharbeiten zu „Das gewisse Etwas“ haben ihm sogar noch mehr Spaß gemacht als das Theaterspielen. Der Grund: Beim Film gibt es mehr Bewegung und mehr Action. Hier kann er laufen und sich bewegen. Außerdem werden Szenen immer wieder neu geprobt und mehrfach gedreht.

Vor den Dreharbeiten wurde das komplette Drehbuch gemeinsam mit dem Regisseur durchgelesen. Danach begannen die eigentlichen Dreharbeiten. Während der Produktion standen dem Ensemble Inklusionsbetreuer zur Verfügung. Je nach Bedarf erhielten die Schauspieler mit Behinderung mehr oder weniger Unterstützung. Jan Bobke selbst konnte am Set vieles selbstständig bewältigen.

Stolze Familie und große Freude im Freundeskreis

Als Jan Bobke die Nachricht bekam, dass er die Rolle des Luis bekommen wird, waren Kollegen, Freunde und Familie überrascht und vor allem begeistert! Alle haben sich riesig für ihn gefreut und sind stolz auf das, was er erreicht hat.

Unterstützt wird Jan Bobke bei seiner Schauspielkarriere auch von seinen Eltern. Sie fördern sein Talent und begleiten ihn beispielsweise zu Castings oder inzwischen auch bei Terminen rund um die Werbung für den Film.

Jan Bobke bringt ein großes natürliches Schauspieltalent und vor allem große Freude an seinem Beruf mit. Gleichzeitig weiß er: Schauspielerei ist nicht einfach. Man braucht Erfahrung, muss viel Text auswendig lernen, braucht Durchhaltevermögen und Geduld. Gerade beim Film können zwischen einzelnen Aufnahmen lange Wartezeiten entstehen. Jan Bobke kennt diese Herausforderung inzwischen aus eigener Erfahrung und würde sie jederzeit wieder annehmen.

„Ich wäre gerne einmal im Fernsehen zu sehen“

Der Kinofilm soll für Jan Bobke nicht das Ende, sondern ein weiterer Anfang sein. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, würde er sehr gerne weitere Filme oder Serien drehen. Ein weiteres Ziel formuliert er ganz klar: „Ich wäre gerne einmal im Fernsehen zu sehen. Mein Traum ist eine Rolle in der Serie K11“. Mit seinem Talent, Leidenschaft, Mut und Ausdauer kann er auch dieses Ziel erreichen.

Premieren in München und Kassel

Die Premiere von „Das gewisse Etwas“ findet am 31. August in München statt. Weitere Premieren in anderen deutschen Großstädten folgen.

In Kassel wird der Film ab dem 3. September 2026 im Cineplex Capitol gezeigt. Bei der Premiere am 3. September werden auch Schauspieler Max von der Groeben und Regisseur Marc Rothemund vor Ort sein. Im Anschluss an diese Vorstellung ist ein Q&A geplant, bei dem das Publikum den Schauspielern und dem Regisseur Fragen stellen kann.

Auch für Jan Bobke wird dieser Abend ein ganz besonderer Moment sein: Aus dem Wunsch „Ich möchte mal in einem Kinofilm mitspielen“ ist Realität geworden.